Über das Sammeln

Karsten Bott, Julius Bockelt, Thomas Hombach, Sven Kacirek, Markus Schmitz
Goldstein Galerie, Frankfurt am Main

Über das Sammeln

Jenseits der großen Museumssammlungen, der Kunst- oder Raritätensammler ist das Zusammentragen von Dingen eine der wesentlichen Strategien künstlerischer Praxis. Sei es die großangelegte Bestandsaufnahme, das künstlerisch konzeptuelle Sammeln, das Finden und Anhäufen von Material oder das Aufbewahren als Notwendigkeit.

Mitnichten geht es dabei nur um physische Dinge. Die digitale Verhaftung eines Moments in Bild oder Klang zählt ebenso dazu wie ein Tagebucheintrag oder die Erinnerung einer Narbe.

Wie verhält sich nehmen  zu aneignen, suchen zu finden, und behalten zu nicht hergeben?

Sammlungen können das Vokabular eines Künstlers bilden. Wie sie als solches dem Fundus des Museums oder der Kollektion des Sammlers gegenüberstehen, soll in Über das Sammeln untersucht werden.

 

 

CUT
SVEN KACIREK *
Zwischen Rettung und Diebstahl
Konzert und Gespräch

31. Juli, 19 Uhr

Der Hamburger Musiker Sven Kacirek (Percussion, Komposition) bereist seit 2009 Kenia um dort lokale Musiker*innen zu treffen. Mit Künstler*innen wie Ogoya Nengo, Ogada Oganga, Okumo Korengo und Jack Nyadundo nahm er Stücke auf.

Anschließend kehrte Kacirek zurück nach Hamburg und arbeitete an einem Album, das diese wundervolle Musik mit seiner eigenen kombinierte. Das Album The Kenya Sessions wurde 2011 bei Pingipung/Kompakt veröffentlicht und erhielt den Preis der Deutschen Schallplattenkritik.

Das Sammeln von Liedern und Tänzen hat spätestens seit der Romantik auch eine musikalische Tradition. Liedsammlungen wie Des Knaben Wunderhorn oder die Ungarischen Tänze von Brahms gelangten zu hoher Bekanntheit.

Zugleich nimmt Kacirek diese Praxis zum Anlass, kritisch nach der Kolonialisierung  und Ausbeutung von Musik zu fragen.

 

JULIUS BOCKELT
Klangschalenscherben
Workshop

3. – 4. August, 12 – 18 Uhr

Julius Bockelts künstlerische Forschung beschäftigt sich seit langer Zeit mit dem Sammeln von Wolkenformationen, die nicht nur im Zusammenhang mit seinem zeichnerischem Werk, sondern auch mit seinen Klangstudien stehen. Im Rahmen eines zweitägigen Workshops lädt Julius Bockelt in die Goldstein Galerie ein, um Tonaufnahmen zu sammeln. Das können Geräusche, Geschichten oder Musik sein.

Die Sammlung soll am Ende der Veranstaltungsreihe Über das Sammeln zu einer Collage verdichtet und über die Webseite des Atelier Goldstein veröffentlicht werden.

Tonaufnahmen können auch per Mail gesendet werden an:

 

 

MARKUS SCHMITZ *
Schnittmenge
Workshop

5. – 8. August, 12 – 18 Uhr

Markus Schmitz ist ein Künstler, der sich ganz prinzipiell nur selten von Nebenprodukten seiner künstlerischen Arbeit trennt: Dazu gehören vor allem  Schnittreste seiner Cut-Outs, die er in kleinen Plastiktüten sammelt oder Printmagazine, die sich in seinem Atelier türmen und ihm u.a. als Bildfundus dienen. Diese Magazine werden mitunter selbst zu Cut-Outs und generieren damit auch Schnittreste. Markus Schmitz wird seine Arbeitsweise an gedruckten Seiten demonstrieren und erklären. Besucher*innen können dazu gerne Printmagazine o. ä. mitbringen.

 

 

KARSTEN BOTT
Sonderdinge
Residenz und Präsentation

17. August – 16. September, Mi – Sa, 12 – 18 Uhr

Karsten Bott versammelt Dinge, die in ihrer Alltäglichkeit sowohl funktionale, als auch subjektive Qualitäten besitzen. Bedeutet: die Gewöhnlichkeit eines Dinges als Gebrauchsgegenstand verleiht ihm bereits eine funktionale Kompetenz, darüber hinaus lässt sich aber auch sein Mehrwert als Vehikel, als Träger von Erinnerungen, Geschichten und Assoziationen betrachten und untersuchen.

Nach eben diesen Kompetenzen werden die Dinge von Bott archiviert, kategorisiert, und immer wieder neu zusammengestellt. Die Kriterien für diese Gruppierungen bilden ständig neue Formen der Präsentation.

In der Ausstellung Sonderdinge vereinen sich Gegenstände, die bereits in sich speziell sind: Formal gleichen sie anderen Exemplaren, die jedoch aus gutem Grunde nicht vor Ort sind. Sie transportieren Anekdoten, berichten souverän von ihren bisherigen Nutzern, klagen ihr Leid oder kommentieren hämisch den Alltag.

Karsten Bott räumt diesen Dingen eine Bühne abseits von anderen Sortierungen ein, die ihnen ein solches Gehör nicht schenken würden.

Die Präsentation ist geöffnet in der Zeit vom 26. August bis 16. September.
Karsten Bott wird jeweils mittwochs und samstags vor Ort sein und über die Dinge sprechen.
(Außer Samstag den 5. September)

 

 

THOMAS HOMBACH
Die Wand
Gespräch und Präsentation

23. September – 26. September, 12 – 18 Uhr

Mit Die Wand gibt Thomas Hombach Einblicke in einen Aspekt seiner Arbeit als Künstler und Sammler: Der Auseinandersetzung mit Sprache. Zwei Felder werden in der Goldstein Galerie als Parallelprojektion gegenübergestellt:
Zum einen handelt es sich um Abbildungen von Gegenständen aus seiner Sammlung, welche beim Herstellungsprozess oder nachträglich aus einer Zweckmäßigkeit heraus beschriftet wurden. Dabei entstehen durch eine heute andere Lesbarkeit bzw. Sichtweise oftmals Irritationen. Das andere Projektionsfeld zeigt eine Abfolge von Worten aus einer langjährigen Sammlung des Künstlers. Es handelt sich nicht um Worte aus dem allgemeinen Sprachgebrauch, sondern um Wortneuschöpfungen, die ihren Ursprung zum Teil in Missverständnissen, zumeist im spielerischen Umgang mit der Sprache haben.

Thomas Hombach wird am 23. September für ein Gespräch mit Besuchern vor Ort sein.

 

*
In der Goldstein Galerie dürfen sich bis auf weiteres nur eine sehr begrenzte Anzahl von Gästen  aufhalten, in Gruppen bis maximal 2 Personen.

Anmeldungen per Mail bitte an: