Über das Reisen

Bettina Marx, Leanne Shapton, Christian Metz, Michael DeForge, Jürgen Krause, Superposition, Selbermann, Achim Zepezauer und Julia Krause-Harder
Goldstein Galerie, Frankfurt am Main

Über das Reisen

Die ursprüngliche Bedeutung des Reisebegriffs, nämlich die Erhebung, verdeutlicht seine Vielschichtigkeit vielleicht am besten. Das Reisen als universell verbreitete Praxis meint nicht nur die Bewegung oder den zweckmäßigen Ortswechsel, sondern auch ein emotionales Ereignis, das Erinnerungen generiert, Sehnsüchte stillt oder seelische Veränderungen bewirkt.

Jenseits des heutigen Reisens als reine Erholung oder Konsum stellt sich die Erhebung und Bewegung bei Künstlern darüber hinaus häufig als strategische oder inhaltliche Notwendigkeit dar. Es sind nicht nur die Studien- oder Konzertreisen, die Ausstellungen oder Stipendien die Künstler antreiben, sondern auch das Reisen als ästhetische und konzeptuelle Zuspitzung, als Verortung, Beobachtung, Vorstellung und Erzählung oder als Spiegelung in anderen Kulturen und Welten.

HINWEIS: Die Plätze in der Galerie sind begrenzt. Eintritt zu Veranstaltungen nur nach schriftlicher Anmeldung an goldsteingalerie@atelier-goldstein.


Residenz und Präsentation
Bettina Marx
Eden
Residenz: 13.–28. Oktober 2020
Präsentation: 29. Oktober – 7. November
Eröffnung: 28. Oktober, 19 Uhr

»Das Reisen ist für mich Anlass zu Arbeiten. Nicht die Abreise ist der Anfang einer Reise. Unzählige Überlegungen und Sehnsüchte lassen ich in Gedanken schon unterwegs sein. Momentan plane ich Reisen, zu denen ich in nächster Zeit wahrscheinlich gar nicht aufbrechen kann. Daher sichte ich nun die Arbeiten, die auf dem ersten Teil meiner letzten Reise nach Schweden entstanden sind: Die Papierarbeiten zeigen Erinnerungen an Orte die ich aufgesucht habe. Ursprünglich von Wandermalern, die quer durch das Land zogen geschaffen, gibt es im Inland von Schweden Bauernhöfe mit raumfüllenden Wandmalereien. Die Wandmalereien, Kurbitmalerei genannt, zeigen farbenfrohe Fantasiegewächse mit übertrieben großen Blüten und Blättern. Auch die Lebenstreppe, die verschiedene Situationen des Lebens der Bewohnern aufzeigt, war ein beliebtes Motiv. Meine Papierarbeiten greifen die Routen und Räume der Wanderarbeiter sowie meine eigenen Erfahrungen und Beobachtungen auf dieser Reise auf. Diese imaginären Reisen zurück nach Schweden werden sich in der Goldstein Galerie mit den Erkundungen in Frankfurt mischen, eine neue Reise, ein neuer Ort wird sich in meine Arbeit einschreiben. Die besondere Räumlichkeit der Galerie wird mit meinen Arbeiten aus Schweden in Beziehung gesetzt und eine Szenerie, ein Raum aus Erinnerungen geschaffen.« Bettina Marx

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Leanne Shapton und Christian Metz
17. Oktober 2020, 20 Uhr

Die kanadische Künstlerin Leanne Shapton kombiniert Malerei, Text und Fotografie in ihren Büchern auf eine faszinierende Weise, auch in ihrer neuesten Veröffentlichung Gästebuch. Sie kartografiert Alltägliches, Offensichtliches und Unsichtbares. Immer wieder arbeitet sie mit dem Architekturkritiker Niklas Maak zusammen. Durch Manhattan (2017) dokumentiert ihre zweitägige Wanderung von der Südspitze Manhattans bis zur Nordspitze der Insel an der 220. Straße. Am 17. Oktober spricht Jakob Hoffmann mit dem Literaturwissenschaftler Christian Metz und per Videoübertragung mit Leanne Shapton über das Reisen, über vergangene, aktuelle und kommende Spaziergänge und über Geister!

Anschl. Veranstaltung zur Buchmesse
Michael DeForge
Bird of Maine
17. Oktober, 21 Uhr

Anlässlich der Buchmesse mit seinem verpassten Ehrengast eröffnet die Goldstein Galerie im Anschluss an das Gespräch mit Leanne Shapton eine 24- stündige Ausstellung des kanadischen Comic Künstlers Michael DeForge. In den Räumen und im Schaufenster der Galerie werden Strips aus seiner Vogel-Utopie „Birds of Maine“ zu sehen sein. Zur Eröffnung gibt es ein Videogespräch mit Michael DeForge.
Die Goldstein Galerie wird am 18. Oktober von 12–18 Uhr geöffnet sein.

Die Veranstaltung zur Buchmesse wird auch gefördert durch:

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Vortrag
Jürgen Krause
»Ohne einen Wohnort zu haben, entsteht eben dort das Herz«
13. November, 16 Uhr und 19 Uhr

Vier lange Wanderungen in den vier Himmelsrichtungen. Mit Rucksack und Zelt entlang eines Längen- und eines Breitengrades. Am Kreuzungspunkt der Wanderungen dann ein erster Grundstein für den Hausbau. Es folgen weitere Grundsteine an anderen Orten. Was ist das für ein „Haus“, ohne Türen und Fenster? Jürgen Krause wird vom Aufbrechen erzählen und was es bedeutet, in diesem Haus zu „wohnen“.

Als klangliche Erweiterung des Themas wird es eine musikalische Performance von Superposition (Julius Bockelt und Sven Fritz) geben.

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Workshop für Familien und Kinder
Raum, Zeit…Kontinuum!
26.–29. November, 12–18 Uhr

Vom 26. – 29. November sollen in der Goldstein Galerie Familien und Kinder mit und ohne Beein- trächtigung an einer wachsenden, sich ausbreiten- den Wandcollage arbeiten – eine Expedition in der Phantasie, als Zeitreisende, als Astronauten oder Entdecker.
Die Teilnahme ist kostenfrei und nach schriftlicher Anmeldung möglich. Insgesamt können Gruppen zu je maximal 5 Personen in folgenden Zeitfenstern teilnehmen:
12–13:30 Uhr, 14–15:30 Uhr, 16–17:30 Uhr

Zur Anmeldung oder bei Fragen zu freien Zeitfenstern und Hygienemaßnahmen wenden Sie sich bitte an

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Labortage

Selbermann und Zepezauer
Eine Hörreise
11. Dezember, 19 Uhr

Das Unterwegssein und die Begegnungen mit Menschen und Orten prägen Selbermanns fortlaufendes biographisches Werk. Vor allem in seinen Erzählungen werden diese Erlebnisse in eine besondere Form der Sprache übersetzt und zu präzisen und gleichzeitig abstrakten Reiseberichten.
In der Goldstein Galerie wird eine freie Reiseerzählung Selbermanns von Achim Zepezauer improvisiert vertont.
Zepezauer ist Musiker und Künstler. Mit seinem Tischlein Elektrisch begibt er sich auf eine Klang- suche zwischen tonalen und atonalen Flächen, Rhythmen, Sprachfetzen, abstrakten und konkreten Geräuschen.

Julia Krause-Harder
Matterhorn
14. – 15. Dezember, 12 – 18 Uhr

Auf Julia Krause-Harders zahlreichen Reisen und in ihrem Werk können anatomische Strukturen, Grenzverläufe oder Bergformationen zu Objekten oder Orten der Sehnsucht werden. So beschäftigt sich Krause-Harder seit etwa zwei Jahren mit dem Matterhorn, einer der markantesten und höchsten Berge der Alpen. Die äußere Form des Berges führt sie immer wieder dorthin: zum Zeichnen, zum Wandern, aber vor allem um dem Berg nahe zu sein. In Frankfurt ersetzt die Auseinandersetzung mit der Form, der Erscheinung und der Geschichte des Berges die fehlende Nähe zum Gebirge.
In der Goldstein Galerie wird Julia Krause-Harder das Matterhorn künstlerisch ausbreiten. Eine daraus entstehende Präsentation wird über den Jahreswechsel im Schaufenster zu sehen sein.